2011 – Carmen at the Bayerische Staatsoper, Munich

Carmen

Composer: Georges Bizet
Librettist: Henri Meilhac and Ludovic Halévy
Venue and Dates:

Bayerische Staatsoper, Munich
9, 12, 15, 18, 21 October 2011

Conductor Dan Ettinger
Based on a production by Lina Wertmüller
Set and Costumes: Enrico Job
Lighting : Franco Marri
Chorus Master: Sören Eckhoff
Performers:

Carmen: Vesselina Kasarova
Don José: Brandon Jovanovich
Escamillo: Gerald Finley
Micaela: Aga Mikolaj
Zuniga: Goran Juric
Moralès: Christoph Pohl (9 & 12); Nikolay Borchev (15, 18 & 21)
Dancairo: Christian Rieger
Remendado: Cornel Frey
Frasquita: Evgeniya Sotnikova
Mercédès: Heike Grötzinger
The Bavarian State Orchestra
The Chorus of the Bavarian State Opera
Kinderchor der Bayerischen Staatsoper

What the critics say

Markus Thiel, Münchner Merkur,10.10.2011
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Der Muster-Spanier aus Montana

Tenor-Mangel, das war einmal. Zumindest die Bayerische Staatsoper führt gerade vor, dass dem Kaufmann-Villazón-Calleja-Breslik-Zirkel beängstigende Konkurrenz erwächst. Gerade brachte beim Tokio-Gastspiel der junge Russe Alexey Dolgov als Roberto Devereux Edita Gruberova zum herbstlichen Erglühen, nun muss man sich schon wieder einen Namen merken: Brandon Jovanovich, Münchens aktueller Don José, geboren im US-Staat Montana und gesegnet mit einer Stimme, der man sowohl den Testosteron-Protz also auch den zärtelnden Liebhaber abkauft – kurz: die ideale Besetzung als Carmen-Partner.

Eigentlich war diese Wiederaufnahme im Nationaltheater ja als Schaulaufen von Münchens Lieblings-Mezzo geplant. Vesselina Kasarova als Carmen, das hätte eine aparte Anti-Klischee-Aktion geben können. Doch ungewollt bewies die Kasarova, dass nicht Bizet, sondern Barock ihr Heimspiel ist. Dort, wo vokaler Zierrat Puzzelei erfordert, wo das Artifizielle legitimes Ausdrucksmittel ist. Bei der Carmen verfängt solch Gestaltungswut nicht: Stimmlich gewachsen ist Vesselina Kasarova Bizets Fabrikarbeiterin durchaus. Doch im Bestreben, jedes Sechzehntel mit Extra-Ausdruck aufzuladen, verkünstelte sich der Star. Eine Interpretation der Interpretation gewissermaßen. Und das bei einer Partie, die nach Unverblümtem, Schmucklosem verlangt. Gebremster Applaus daher für die Kasarova, während Aga Mikolaj für die mütterlichen Seelentöne ihrer Micaela heftig gefeiert wurde. Dan Ettinger ist der perfekte Mann fürs unterprobte Repertoire: Routine gibt’s bei ihm nicht, immer wieder versuchte der Mannheimer Chefdirigent, Übergänge zu zaubern, Extra-Phrasierungen und -Details aus dem Staatsorchester zu kitzeln.

Fast überbesetzt schien Gerald Finley bei seinem Rollendebüt als Escamillo – kein Draufgänger, sondern ein formvollendeter Torero, bei dessen fein und hintergründiger Erotik es trotzdem heftig knisterte. Als Gegenbild zum José von Brandon Jovanovich funktionierte das bestens: Der Amerikaner mochte zwar (noch) nervös wirken. Doch wer mit solcher natürlicher Intensität den Abend an sich reißt, wer vor allem die Blumen-Arie (als derzeit Einziger) im delikaten Piano mit einem hinreißenden Schwellton abschließen kann, der empfiehlt sich für mehr. Warum eigentlich nicht für die „Hoffmann“-Premiere?

“Gerald Finley seemed almost too well cast in his role debut as Escamillo – not a daredevil, but a perfectly shaped bullfighter whose subtle and enigmatic eroticism completely created an intense tension.”

Volker Boser, Abendzeitung, 14.10.2011
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Eine Frau, die weiß, was sie will

Bizets „Carmen“ mit der willensstarken Vesselina Kasarova und Dan Ettinger am Pult

Eine Außenseiterin bahnt sich ihren Weg, kompromisslos und energisch. Freiheit geht ihr über alles. Männer dienen als Mittel zum Zweck. Vesselina Kasarova hat sich „Carmen” so zurecht gelegt: keine Femme fatale. kaum erotische  Ausstrahlung, statt dessen der knisternde Nachdruck eines eisernen Willens. Am Ende steht der Tod – ein effektvolleres Opernschicksal gibt es nicht. In der Staatsoper sang sie diese Traumrolle aller   Mezzosopranistinnen mit der ihr eigenen Intensität – in den ersten beiden Akten chansonhaft leicht, dann mit schwerem, düsterem Timbre. Das klang nicht immer verführerisch, war aber von maßvoll bewegender Eindringlichkeit. Branden Jovanovich (Don Jose) gestaltete die „Blumenarie” sehr musikalisch. Das Timbre seines kräftigen Tenors bleibt Geschmackssache. Luxuriös besetzt der Stierkämpfer Escamillo mit dem kanadischen Bariton Gerald Finley. Den meisten Beifall erhielt Aga Mikolaj (Micaela). Zu Recht. Dirigent Dan Ettinger, ein Protege von Daniel Barenboim, war wohl der Ansicht, dass der Komponist seine Partitur in Honig gebadet hat. Derart sentimental, und spannungslos musiziert erlebt man diese Oper selten. Die reichlich affektierten, nicht uneitlen Armschwünge trugen auch nicht zur Wahrheitsfindung bei. Weniger wäre mehr gewesen.

“The Canadian baritone Gerald Finley was a luxurious casting as the bullfighter Escamillo.”

Sarah Hilgendorff, Kultur-Vollzug.de, 18.10.2011
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Die Bayerische Staatsoper eröffnet die neue Saison mit George Bizets Klassiker “Carmen”. Und Vesselina Kasarova macht klar, wer Herrin in der Arena ist.

Kasarova macht vom ersten Ton der Habanera an klar, dass sie im vollen Besitz ihrer stimmlichen Kräfte ist, die Mittellage üppig, hohe Töne punktgenau. Nach vermeintlichen Wackelpartien mag das manchen Fan erleichtern, manchen Kritiker Lügen strafen. Brandon Jovanovichs Don José ist mehr von der Hau-Drauf-Sorte. Seine Stimmgewalt ist beeindruckend, an manchen Stellen hört man gar zuviel davon. Dazu gesellt sich der eine oder andere ruhige Moment wie am Ende der Blumenarie, wo er mit einem mezza voce weich wie Sahne aufwartet. Da kann man schon verstehen, wieso er einer der begehrtesten Don Josés der letzten Saison war.

Die klare Gewinnerin des Abends ist aber Aga Mikolaj, nach deren Arien Beifallsstürme losbrechen. Und das ganz zurecht. Sie verleiht dem Landei Micaëla viel Sympathie und singt mit aller Innigkeit. Vierter im Bunde war Gerald Finley als Escamillo. Er singt einen sinnlichen wie stimmlich agilen Torero. Einer Carmen wird es da nicht schwer fallen sich in ihn zu verlieben.

Dan Ettinger hat am Dirigentenpult alle Zügel in der Hand. Der Blondschopf geht mit klarem Blick für die Stimmungen an die Partitur. Speziell im vierten Akt stellt er mit aller Eleganz die Dramatik der Situation heraus, anstatt in den zu Handyklingeltönen degenerierten Melodien Bizets zu schwelgen.

Zu guter Letzt drückt Vesselina Kasarova Brandon Jovanovich noch ein dickes Bussi auf und das Publikum verlässt gut gelaunt den Saal. Die Habanera pfeifend verabschiedet man sich und ruft einander noch zu, dass diese Spielzeit mit dem “Ring” ja eine ganz besondere werde. Ein gelungener Auftakt zu dieser Saison wäre jedenfalls geleistet.

Gerald Finley, the fourth main character, was Escamillo. He sings as a sensuous, vocally agile matador. A Carmen would have no difficulty to fall in love with him.”

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